Keine Artikel über das Wetter!

Veröffentlicht auf von Anorak

Seit Wochen es ist kalt. Nein, es ist sehr kalt, obwohl man alles jenseits der minus 25°C als extrem wahrnimmt. Auf einer Skala zwischen heiß, warm und kalt fehlt eigentlich ein Adjektiv um das Wetter hier zu beschreiben.
Ich weiß, dass ich das Klima oft thematisiere und ich verspreche, dass ich in Zukunft über andere Themen und Ereignisse schreiben werde. Doch selbst die Russen erzählen mir, dass es schon seit Jahren keinen so harten Winter mehr in Sibirien gegeben hat. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich, denn mit Sibirien verbindet man doch mit Wölfen und Bären auf der Straße sowie klirrend kalte Winter. Meine Erwartungen wurden was Letzteres angeht also mehr als erfüllt. Wer will schon im Sommer nach Sibirien. Der sibirische Sommer kann noch so schön und warm sein, neben einem sibirischen Winter klingt er einfach langweilig.
Und so geht der Alltag in Kemerowo weiter. Auch an der Uni. Das Sommersemester, das eigentlich ein zweites Wintersemester ist, hat bereits begonnen. Ich packe mich gut ein und stiefele bei minus 35°C zur Bushaltestelle, denn es ist mein erster Arbeitstag im neuen Semester. Draußen ist es so kalt, dass meine Brille Knackgeräusche von sich gibt, als ich aus dem Wohnheim komme. Atmet man aus Versehen an die Gläser, sind diese sofort vereist. Nach ungefähr 10 Minuten in der Kälte - man kann anziehen was man will, an die Hände und im Gesicht friert man sowieso – kommt endlich die passende Marschrutka. Wie immer ist es im Fahrgastraum angenehm warm. Wie immer sind die Scheiben von innen mit Eisblumen überwuchert, sodass man nur erahnen kann, wo man aussteigen muss. Doch es kommt anders.
Am Zirkus würgt der Fahrer sein Gefährt ab. Nach mehreren Wiederbelebungsversuchen gibt er es auf und ruft den Passagieren zu: „Die Fahrt ist zu Ende! Alle aussteigen… und nehmt Euer Geld mit!“. Ich stehe wieder in der Kälte. Bis zur Uni ist es ungefähr ein Kilometer. Anstatt auf den nächsten Bus zu warten, beschließe ich zu laufen. Über die Brücke am Park des Sieges vorbei bis zur Universität. Ich bin froh über meine warme Jacke, doch man kann anziehen was man will, an die Hände und im Gesicht friert man sowieso. Mir ist schon klar, dass man sich in der kurzen Zeit keine ernsten Erfrierungen zuziehen kann, aber schmerzhaft ist die Kälte schon. Heilfroh erreiche ich die überheizte Uni und eile zum Lehrstuhl.
„Sdrastje“, begrüßt mich eine Kollegin, „Wie findest du das Wetter in Sibirien? (Wie oft wurde mir hier schon diese Frage gestellt?) Übrigens fallen heute alle Lehrveranstaltungen aus. Es ist einfach zu kalt und der öffentliche Nahverkehr funktioniert nicht richtig.“
„Ach was?! Das hab ich schon gemerkt.“, antworte ich und taue meine Finger an einer Tasse Tee auf. Kältefrei - so etwas gab es hier schon seit Jahren nicht mehr. Aber im März soll es dafür ungewöhnlich warm werden und dann lohnt es sich für mich auch nicht mehr, Artikel über die Kälte zu schreiben.

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Philippowicz 03/14/2009 12:14

Hey Sepp - lieber mal auch Artikel übers Wetter als gar keine Artikel mehr! Was geht denn bei dir so???

Helene 02/20/2009 19:52

UUIIII und es ist in Sebirien nicht möglich, dich das einfach mal wissen zu lassen???
Herzlichst
Helene

Sibirienseb 02/20/2009 12:42

Mag schon sein, aber wenn schon Sibirien - dann das ganze Programm :-)

stampftänzerin 02/19/2009 18:29

also, wenn du dich da mit dem sibirischen sommer mal nicht täuschst... er ist echt schön und alles andere als langweilig! vor allem, weil es viele einfach nicht glauben können und wollen, dass die menschen in sibirien im sommer auch am strand liegen und schwimmen gehen wie sie selbst auch :)