Nacktscannen

Veröffentlicht auf von Anorak

Heute heißt es Kofferpacken. Morgen geht's nach Polen. Genauer gesagt in die Hauptstadt des polnischen Nationalgetränks Żubrówka nach Bialystock im Osten Polens. Die Gegend wird spöttisch auch das polnische Sibirien genannt. Passt doch!
Um sieben Uhr am Morgen fliege ich in Kemerowo los - um sieben Uhr Abends komme ich in Warschau an. Klingt eigentlich okay, aber wenn man die Zeitverschiebung dazurechnet, hat man eine Reisezeit von ungefähr 18 Stunden. Von denen ich  einen Teil im berüchtigten Moskauer Flughafen Sheremetjewo verbringen muss, inklusive Terminalwechsel, Menschenmassen, Sicherheitskontrollen. Danach wartet eine Woche Weiterbildungsseminar auf mich.
Die Zeitverschiebung und das bevorstehende Jetlag machen mir schon Sorgen. Die ersten Tage nach meiner Ankunft in Kemerowo war ich vollkommen durch den Wind. Sechs Stunden Zeitverschiebung können fies sein. Mal schauen wie es in der Gegenrichtung aussieht.
Übrigens wurde in Russland nicht lang und breit über die Einführung der sogenannten Nacktscanner diskutiert. Bei meiner Anreise wurde ich im Flughafen ohne Vorwarnung durch so ein Ding geschickt und dachte noch die wollen meine Lungen röntgen. Als ich dann Wochen später im Internet von der deutschen Nacktscanner-Debatte gelesen habe, kamen mir die Geräte auf den Fotos allzu bekannt vor. Muss man sich jetzt vor einem Flug Gedanken machen, was man für Unterwäsche anzieht?
Ich bin abgesehen davon seit dieser Woche stolzer Besitzer eines Jahresvisums für Russland. Es mag vielleicht banal klingen, aber meine beiden Ausländischen Kollegen hatten im Vorfeld sehr viele Probleme mit ihren Visa. Der Franzose musste mittlerweile sogar wieder ausreisen, weil er sein dreimonatiges Visum nicht verlängern konnte. Der Betreff war einfach falsch eingetragen. Jetzt sitzt er schon im Flugzeug. nach Hause. Zum Glück für ihn trägt die Uni die Kosten.
Mein Goethe-Kollege wurde aufgefordert alle möglichen Tests und Gutachten abzuliefern: polizeiliches Führungszeugnis auf Russisch, Drogentest, psychiatrisches Gutachten etc. etc. Für ihn wäre eine Ausreise und erneute Einreise fast günstiger, als der unglaubliche Papierkrieg. Meiner Meinung nach alles Schikane nach dem Motto: So wie du mir, so ich dir. Russen haben es ja auch nicht leicht im grenzenlosen Europa zu arbeiten. Außerdem will man sich hier mit Paragraphen vor den unbeliebten zentralasiatischen, mongolischen und chinesischen Gastarbeitern schützen.
Ich hatte aber Glück und musste nur ein paar Passbilder abgeben und 400 Rubel zahlen. Sonst nix. Übrigens endet genau heute mein Dreimonatsvisum. Das bedeutet, dass ich auf den Tag genau 3 Monate in Sibirien bin. Und nach drei Monaten kann man sich schon mal eine Pause von Pelzkragen, Marschrutka und Sibirskije Pelmeni gönnen, finde ich.       

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RomaniaBoka 11/22/2008 13:37

Hey Seb, wenn du nach Byalistok fährst, bist du ja gar nicht so weit von Jedwabne entfernt!! Da kommen Erinnerungen hoch ;-)
Wünsch dir viel Spaß da und sag der Anne schöne Grüße!
Übrigens: geplanter Wochenendausflug bei mir: die größte Höhle Rumäniens! uns sind die Salzminen ausgegangen ;-)
Gruß aus Klausenburg. Markus

adina 11/22/2008 11:43

dann bist du ja gar nicht mehr sooooooo weit weg :). hab einen guten flug!
und wenn ich nicht mal blog-nachhilfe bekomme, scheitert unser auslands-battle nur an meinen technischen nicht-fähigkeiten..
ahoj aus dem verschneiten westen (ja, tatsächlich. wird zeit, dass ich hier wegkomme :))!