Первый*снег

Veröffentlicht auf von Anorak

Letzten Freitag besuchte ich die Uni-Veranstaltung „Первый снег“ (dt.: erster Schnee). Ich wusste noch nicht was mich erwarten sollte, doch konnte bei dem Eintrittspreis von 40 Rubel nicht nein sagen.

Als das Licht ausgeht, ist der Festsaal des zweiten Korpus gut gefüllt. Das Gemurmel verstummt und ein kurzer Viedobeitrag begrüßt die Zuschauer zum 25. Perwui Sneg der KemGU. Kurz darauf öffnet sich der schwere Bühnenvorhang und die Show beginnt.

Tanzperformances, Gesangseinlagen, Sketches und dazwischen kurze Videoclips, um die Umbaupausen zu überbrücken. Das Thema der ca. eineinhalb Stunden dauernde Vorstellung lautete: Haben Puppen auch Gefühle? Mein persönliches Highlight war dabei der Tanz eines menschlichen Marionettenpärchens, dirigiert von einer singenden Puppenspielerin

Die Ersties der romanistisch-germanistischen Fakultät (RGF) haben wochenlang für ihre Auftritte geübt. Mit Applaus und begeisterten Sprechchören à la „РГФ - лучше всех“ (dt.: RGF sind die Besten) werden die Darsteller schließlich verabschiedet. Diese Euphorie auf Knopfdruck kannte ich sonst nur aus den USA. Der Vorhang schließt sich und das Initierungsritual für die Neuen ist beendet.

Ob wir sowas auch in Deutschland machen, wurde ich danach gleich gefragt und konnte ehlich gesagt keine spontane Antwort darauf geben. Klar organisieren die Studenten bei uns Partys und Kulturveranstaltung und es gibt auch eine feierliche Begrüßung für die Erstsemester. Aber soetwas?

Der Uni-Talentwettbewerb "Open Stage" an der TU-Chemnitz erinnerte mich doch noch am ehesten an das, was ich da im Kemerowoer Festsaal präsentiert bekommen habe. Eine Veranstaltung, bei der Studenten ihren Kommilitonen zeigen was sie können, oder zu können glauben. Doch im Gegensatz dazu ist Perwui Sneg eine offizielle Veranstaltung der Ersties, die sich so ihrer Fakultät vorstellen. Es ist eine gemeinsam durchgeführte Show ohne Konkurrenz.

Bei der Vorbereitung des Ganzen lernen sich die Studis dann auch gleich alle untereinander kennen. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil sie in Russland, anders als in Deutschland, ihr ganzes Studentenleben lang in einer geschlossenen Gruppe von ca. 20 Leuten zusammen bleiben werden. Das Studium hier kommt einem deutschen Hochschulabsolventen daher eher wie Schule vor. In der Uni gibt es sogar ein Klingelzeichen nach jeder Stunde. Die Studenten eines Fachbereichs lernen das, was auf dem Lehrplan steht und somit das gleiche, wie alle ihre Kommilitonen.

Mir scheint es so, als ob die Ausbildung an der russischen Uni noch daruf abzielt, genormte Berufe nach einem speziellen Muster hervorzubringen. Wogegen man in Deutschland während des Studiums seine Persönlichkeit entfaltet und weiter entwickelt. Denn soweit ich das beurteilen kann, ist das deutsche Studium selbstbestimmter, eigenverantwortlicher und freier als in Russland - mit allen Vor- und Nachteilen, die das für den Studenten mit sich bringt. Und so dient die Veranstaltung „Erster Schnee“ in der KemGU vor allem dazu, den Zusammenhalt des jeweiligen Studiengangs zu stärken. Schon von daher wäre sie als Talent-Wettbewerb mit anschließender Verleihung von MZ-Motorradjacken an Einzeltalente undenkbar.

Aber vielleicht gibt es ja noch Wettbewerbe zwischen den verschiedenen Fakultäten der KemGU. Bei diesem Maß an Begeisterung, die die Studenten ihrer Fakultät engegenbringen, würde das sicher zu Ausschreitungen kommen...        



 

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Popelphilipp 11/07/2008 16:21

WIR WOLLEN MEHR BERICHTE!!!!

Cs Vater 11/02/2008 19:47

Einfach köstlich, schreib ein Buch, du stellst Kaminer in den Schatten